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Segelwissen

Die Halse: Schritt für Schritt sicher mit dem Heck durch den Wind

Mathias
3.11.2026
Die Halse: Schritt für Schritt sicher mit dem Heck durch den Wind

Nach der Wende folgt das zweite grundlegende Manöver zum Wechseln des Bugs: die Halse.

Während bei der Wende der Bug durch den Wind dreht, geht bei der Halse das Heck durch den Wind. Das Manöver wird auf raumen Kursen gefahren, also wenn der Wind von schräg hinten kommt.

Besonders wichtig ist dabei die Kontrolle des Grosssegels. Während der Halse wechselt das Grosssegel von einer Seite des Bootes auf die andere. Deshalb muss das Manöver vorbereitet und kontrolliert gefahren werden.

Was passiert bei einer Halse?

Vor der Halse segelt das Boot auf einem Raumwindkurs.

Dann dreht das Heck durch die Windrichtung. Dadurch wechselt der Wind von einer Seite des Bootes auf die andere und die Segel müssen ebenfalls die Seite wechseln.

Vereinfacht läuft eine Halse so ab:

  1. Neuen Kurs und Umgebung prüfen
  2. Crew auf das Manöver vorbereiten
  3. Grosssegel dichtholen
  4. Heck kontrolliert durch den Wind drehen
  5. Vorsegel und Grosssegel auf die neue Seite bringen
  6. Neuen Kurs aufnehmen und kontrollieren

1. Neuen Kurs und Umgebung prüfen

Eine gute Halse beginnt mit der Vorbereitung.

Bevor du das Ruder bewegst, solltest du dir vorstellen, welchen Kurs das Boot nach der Halse fahren soll.

Gleichzeitig prüfst du, ob auf der Leeseite genügend Platz für das Manöver vorhanden ist.

Achte insbesondere auf:

  • andere Boote
  • Ufer und Hindernisse
  • genügend freien Raum
  • den gewünschten Kurs nach der Halse
  • die Position der Crew

Erst wenn das Manöver sicher durchgeführt werden kann, wird die Crew vorbereitet.

2. Crew vorbereiten

Die Halse sollte angekündigt werden, damit alle Personen an Bord wissen, was als Nächstes passiert.

Die Steuerperson kündigt das Manöver beispielsweise mit:

„Klar zur Halse!“

an.

Die Crew bestätigt ihre Bereitschaft mit "Klar".

Die Person an der Grossschot bereitet sich auf den Wechsel des Grosssegels vor. Gleichzeitig werden die Schoten des Vorsegels für den Seitenwechsel vorbereitet.

3. Grosssegel dichtholen

Vor dem eigentlichen Drehen wird das Grosssegel dichter genommen, aber nicht fixiert.

Warum?

Auf einem Raumwindkurs steht das Grosssegel normalerweise weit geöffnet. Würde das Heck nun einfach durch den Wind gedreht, müsste das Segel einen sehr grossen Weg von einer Seite des Bootes auf die andere zurücklegen.

Durch das Dichtholen wird dieser Weg deutlich verkürzt und der Wechsel des Grosssegels kann besser kontrolliert werden.

Das Kommando kann beispielsweise lauten:

„Grosssegel dicht!“

Das Boot bleibt währenddessen zunächst auf dem Raumwindkurs.

4. Heck durch den Wind drehen

Nun beginnt die eigentliche Halse.

Mit dem Ruder wird das Boot so gedreht, dass das Heck durch die Windrichtung läuft.

Das Boot wechselt dadurch vom bisherigen Raumwindkurs auf den Raumwindkurs des anderen Bugs.

Wichtig ist eine kontrollierte Drehbewegung. Ziel ist nicht, das Boot möglichst schnell herumzureissen, sondern Segel, Ruder und Kurs miteinander zu koordinieren.

5. Grosssegel auf die neue Seite bringen

Während das Heck die Windrichtung passiert, wechselt das Grosssegel auf die andere Seite des Bootes.

Sobald das Grosssegel auf den neuen Schlag umschlägt, wird es wieder zügig aufgefiert.

Damit erhält das Segel die zum neuen Raumwindkurs passende Stellung.

Gleichzeitig kann mit einem dosierten Ruderausschlag verhindert werden, dass das Boot nach dem Umschlagen des Segels zu stark anluvt.

Dieser Teil des Manövers verlangt besondere Aufmerksamkeit:

Grosssegel wechseln lassen → auffieren → Kurs stabilisieren.

6. Vorsegel wechseln

Auch das Vorsegel muss auf die neue Seite gebracht werden.

Die bisherige Schot wird gelöst und die neue Schot übernommen.

Nach dem Seitenwechsel werden Grosssegel und Vorsegel für den neuen Kurs eingestellt.

Anschliessend folgt die Kurskontrolle:

  • Liegt das Boot auf dem gewünschten Raumwindkurs?
  • Sind Grosssegel und Vorsegel korrekt eingestellt?
  • Ist das Ruder wieder weitgehend neutral?
  • Hat das Boot eine stabile Fahrt aufgenommen?

Ist dies der Fall, ist die Halse abgeschlossen.

Warum wird das Grosssegel vor der Halse dichtgeholt?

Das ist einer der wichtigsten Punkte des gesamten Manövers.

Auf einem Raumwindkurs befindet sich das Grosssegel weit ausserhalb der Mittschiffslinie.

Beim Wechsel der Windseite muss es auf die gegenüberliegende Seite gelangen.

Durch das vorherige Dichtholen wird der Weg des Grosssegels verkürzt. Nach dem Umschlagen wird es für den neuen Kurs wieder aufgefiert.

Ein einfacher Merksatz lautet deshalb:

Vor der Halse dichtholen – nach dem Umschlagen wieder auffieren.

Wende oder Halse?

Wende und Halse führen beide dazu, dass der Wind anschliessend von der anderen Seite des Bootes kommt.

Der entscheidende Unterschied:

Wende

Bug durch den Wind

Das Boot fährt von einem Am-Wind-Kurs durch die Windrichtung auf den anderen Am-Wind-Kurs.

Halse

Heck durch den Wind

Das Boot wechselt über den achterlichen Windbereich von einem raumen Kurs auf den anderen.

Diese Unterscheidung solltest du dir unbedingt merken.

Häufige Fehler bei der Halse

Halse nicht vorbereiten

Wird einfach das Ruder gelegt, ohne Crew und Schoten vorzubereiten, wird das Manöver unnötig hektisch.

Besser: Neuen Kurs prüfen, Crew informieren und Schoten vorbereiten.

Grosssegel nicht dichtholen

Bleibt das Grosssegel vor der Halse weit geöffnet, muss es beim Seitenwechsel einen deutlich grösseren Weg zurücklegen.

Besser: Grosssegel vor dem Einleiten der Halse kontrolliert dichtholen.

Grosssegel nach dem Wechsel nicht auffieren

Nach dem Seitenwechsel befindet sich das Boot wieder auf einem Raumwindkurs. Das Grosssegel muss deshalb wieder entsprechend geöffnet werden.

Besser: Sobald das Grosssegel auf die neue Seite gewechselt hat, kontrolliert und zügig auffieren.

Nach der Halse zu stark anluven

Der Wechsel des Grosssegels kann das Verhalten des Bootes beeinflussen.

Besser: Mit einem dosierten Rudereinsatz den gewünschten Kurs halten und anschliessend die Ruderstellung wieder neutralisieren.

Neuen Kurs aus den Augen verlieren

Die Halse ist erst beendet, wenn das Boot stabil auf dem gewünschten Kurs fährt.

Besser: Bereits vor dem Manöver festlegen, welchen Kurs du nach der Halse fahren möchtest.

Die Halse als einfacher Ablauf

Du kannst dir das komplette Manöver mit sechs Schritten merken:

Kurs prüfen → Crew vorbereiten → Grosssegel dichtholen → Heck durch den Wind → Segel wechseln → neuen Kurs stabilisieren

Oder noch kürzer:

Halse = Heck durch den Wind.

Wird das Manöver ruhig vorbereitet und Grosssegel, Vorsegel und Ruder koordiniert bedient, lässt sich die Halse kontrolliert fahren.