Mit zunehmendem Wind steigen auch die Kräfte im Segel. Das Boot krängt stärker, der Ruderdruck kann zunehmen und das Segeln wird anspruchsvoller.
Eine wichtige Möglichkeit, das Boot an stärkeren Wind anzupassen, ist deshalb das Reffen.
Beim Reffen wird die wirksame Fläche des Grosssegels verkleinert. Das Segel wird also nicht vollständig geborgen, sondern nur noch mit einer reduzierten Fläche gefahren.
Das Ziel ist ein Boot, das auch bei stärkerem Wind kontrolliert gesegelt werden kann.
Was bedeutet Reffen?
Beim Reffen wird ein Teil des Grosssegels aus der wirksamen Segelfläche genommen.
Das Grosssegel wird dazu teilweise heruntergelassen und an dafür vorgesehenen Reffpunkten wieder befestigt und gespannt.
Nach dem Reffen steht entsprechend weniger Segelfläche im Wind.
Vereinfacht:
Mehr Wind → weniger Segelfläche
Das Reffen ist damit eine weitere Möglichkeit, das Boot an die aktuellen Windbedingungen anzupassen.
Warum wird gerefft?
Bei zunehmendem Wind kann ein ungerefftes Boot deutlich stärker krängen.
Gleichzeitig steigen die Belastungen auf Segel, Schoten und Rigg und das Boot kann schwieriger zu kontrollieren sein.
Durch das Verkleinern der Segelfläche lässt sich die Belastung reduzieren.
Das Ziel ist nicht, möglichst lange mit maximaler Segelfläche zu fahren.
Entscheidend ist, dass das Boot kontrolliert und ausgewogen bleibt.
Wann sollte gerefft werden?
Es gibt keinen einzigen Windwert, bei dem jedes Segelboot gerefft werden muss.
Der richtige Zeitpunkt hängt unter anderem vom Boot, der Crew und den aktuellen Bedingungen ab.
Achte deshalb darauf, wie sich das Boot verhält.
Hinweise darauf, dass eine kleinere Segelfläche sinnvoll sein kann, sind beispielsweise:
- dauerhaft starke Krängung
- zunehmender Ruderdruck
- häufiges starkes Fieren des Grosssegels
- deutlich zunehmende Schwierigkeiten, das Boot auf Kurs zu halten
Wichtig ist dabei ein Grundgedanke:
Nicht erst dann über das Reffen nachdenken, wenn das Boot kaum noch kontrollierbar ist.
Ein vorbereitetes Reffmanöver lässt sich wesentlich ruhiger durchführen als ein hektisches Manöver bei bereits sehr starkem Wind.
Das Reffmanöver vorbereiten
Bevor am Segel gearbeitet wird, sollte die Crew wissen, was zu tun ist.
Auf einem Boot mit mehreren Personen werden deshalb die Aufgaben verteilt.
Je nach Boot betrifft das beispielsweise:
- Steuerung des Bootes
- Grossschot
- Grossfall
- Reffleine
- Arbeiten am Mast
Auch die benötigten Leinen und Beschläge sollten bereits vorbereitet sein.
Die genaue Leinenführung unterscheidet sich von Boot zu Boot. Deshalb solltest du vor dem Auslaufen wissen, wie das Reffsystem des jeweiligen Bootes funktioniert.
1. Einen geeigneten Kurs fahren
Für das Reffen muss das Grosssegel entlastet werden.
Das Boot wird deshalb in eine geeignete Position zum Wind gebracht, sodass der Druck aus dem Grosssegel genommen werden kann.
Gleichzeitig muss das Boot weiterhin kontrollierbar bleiben.
Die steuernde Person hält während des gesamten Manövers den vereinbarten Kurs möglichst konstant.
2. Grosssegel entlasten
Die Grossschot wird gefiert, damit der Winddruck im Grosssegel abnimmt.
Das ist wichtig, weil das Grosssegel im nächsten Schritt teilweise heruntergelassen werden soll.
Steht das Segel noch unter grosser Last, lassen sich Fall und Reffeinrichtungen nur schwer kontrolliert bedienen.
3. Grossfall kontrolliert fieren
Nun wird das Grossfall kontrolliert gefiert.
Das Grosssegel wird dadurch nur so weit heruntergelassen, wie es für das vorgesehene Reff notwendig ist.
Es wird also nicht vollständig geborgen.
Das Ziel ist, den vorgesehenen Reffpunkt am Vorliek in die richtige Position zu bringen.
4. Vorliek des Segels sichern
Nun wird das Grosssegel im Bereich des Vorlieks am vorgesehenen Reffpunkt befestigt beziehungsweise in die entsprechende Reffeinrichtung eingesetzt.
Je nach Boot kann die Konstruktion unterschiedlich aussehen.
Entscheidend ist:
Der neue untere Punkt des Segels muss sicher gehalten werden, bevor das Segel wieder vollständig unter Spannung gesetzt wird.
5. Achterliek spannen
Anschliessend wird auch der hintere Bereich des gerefften Grosssegels gespannt.
Hier kommt je nach System die Reffleine zum Einsatz.
Damit erhält das verkleinerte Grosssegel wieder eine saubere Form.
Das Segel sollte nach dem Reffen nicht einfach lose am Baum hängen, sondern erneut kontrolliert gespannt sein.
6. Grossfall wieder durchsetzen
Nachdem die Reffpunkte korrekt gesetzt sind, wird das Grossfall wieder gespannt.
Damit erhält das Vorliek des verkleinerten Segels die notwendige Spannung.
Nun wird kontrolliert:
- Ist das Segel korrekt befestigt?
- Ist das Vorliek gespannt?
- Ist das Achterliek sauber gesetzt?
- Sind alle Leinen frei?
- Ist nichts verdreht oder eingeklemmt?
Erst dann wird das Grosssegel wieder belastet.
7. Grosssegel neu trimmen
Nach dem Reffen wird die Grossschot wieder entsprechend dem gefahrenen Kurs eingestellt.
Auch andere Trimmeinrichtungen werden wieder kontrolliert.
Das Boot wird nun mit kleinerer Segelfläche weitergesegelt.
Beobachte anschliessend bewusst, wie sich das Verhalten verändert.
Idealerweise lässt sich das Boot nun wieder kontrollierter steuern und der Segeldruck ist besser an die Windbedingungen angepasst.
Was passiert mit dem überschüssigen Segeltuch?
Durch das Reffen entsteht unterhalb der neuen Segelfläche überschüssiges Segeltuch.
Dieses kann – abhängig vom jeweiligen Reffsystem – aufgeräumt beziehungsweise mit den dafür vorgesehenen Einrichtungen gesichert werden.
Wichtig ist jedoch:
Die eigentliche Last des Segels muss von den dafür vorgesehenen Reffpunkten und Leinen aufgenommen werden.
Ausreffen: Segelfläche wieder vergrössern
Lässt der Wind wieder nach, kann das Reff entfernt werden.
Dabei wird der Ablauf sinngemäss rückwärts durchgeführt:
- Grosssegel entlasten
- Reffsystem lösen
- Grossfall wieder setzen
- Grosssegel vollständig hochziehen
- Segel neu trimmen
Auch beim Ausreffen gilt: kontrolliert arbeiten und das Segel während des Vorgangs möglichst entlasten.
Häufige Fehler beim Reffen
Zu spät reffen
Wird erst gerefft, wenn das Boot bereits stark unter Druck steht, wird auch das eigentliche Reffmanöver schwieriger.
Besser: Die Entwicklung des Windes und das Verhalten des Bootes frühzeitig beobachten.
Ohne Vorbereitung beginnen
Wenn erst während des Manövers gesucht werden muss, welche Leine wohin gehört, entsteht unnötige Hektik.
Besser: Reffsystem und Leinenführung des Bootes bereits vor dem Auslaufen kennen.
Grosssegel nicht ausreichend entlasten
Steht das Grosssegel noch stark unter Druck, lassen sich Grossfall und Reffeinrichtungen schwieriger bedienen.
Besser: Das Segel vor dem eigentlichen Reffen kontrolliert entlasten.
Reff nicht sauber durchsetzen
Ein nur halb gesetztes Reff führt zu einem schlecht stehenden Segel.
Besser: Vorliek, Achterliek und Grossfall nach dem Setzen kontrollieren.
Aufgaben der Crew sind unklar
Mehrere Personen arbeiten gleichzeitig an verschiedenen Leinen.
Besser: Vor Beginn festlegen, wer steuert und wer welche Aufgabe übernimmt.
Reffen ist Teil des Segeltrimms
Reffen und Segeltrimm gehören unmittelbar zusammen.
Mit dem Trimm passen wir die Form und Stellung der Segel an.
Mit dem Reffen verändern wir zusätzlich die Grösse der wirksamen Segelfläche.
