Nach Kursen zum Wind, Wende und Halse geht es nun darum, das Boot möglichst gut an die jeweiligen Bedingungen anzupassen: um den Segeltrimm.
Beim Trimmen verändern wir die Form und Stellung der Segel sowie die Balance des Bootes. Ziel ist nicht einfach, möglichst viel Kraft im Segel zu erzeugen. Entscheidend ist, dass Segelform, Windstärke, Kurs und Gewicht der Crew zusammenpassen.
Schon wenige Einstellungen können einen deutlich spürbaren Unterschied machen.
Was bedeutet Segeltrimm?
Ein Segel ist kein starres Bauteil. Seine Form lässt sich verändern.
Je nach Wind und Kurs wollen wir beispielsweise:
- mehr oder weniger Profil im Segel,
- das Achterliek stärker oder weniger stark schliessen,
- die Krängung reduzieren,
- den Ruderdruck beeinflussen,
- das Boot insgesamt besser ausbalancieren.
Dafür stehen an Bord verschiedene Trimmeinrichtungen zur Verfügung.
In diesem Artikel betrachten wir fünf wichtige Bereiche:
- Unterliekstrecker
- Baumniederholer
- Holepunkt des Vorsegels
- Gewichtstrimm
- Luvgierigkeit
1. Der Unterliekstrecker
Der Unterliekstrecker beeinflusst das Profil im unteren Bereich des Grosssegels.
Vereinfacht gilt:
Stärker durchgesetzt → Segel im unteren Bereich flacher
Weniger stark durchgesetzt → Segel erhält mehr Profil
Das lässt sich gut mit der Windstärke verbinden.
Bei stärkerem Wind
Der Unterliekstrecker wird stärker durchgesetzt.
Dadurch wird der untere Bereich des Grosssegels flacher und das Segel entwickelt weniger ausgeprägtes Profil.
Bei leichtem Wind
Der Unterliekstrecker kann loser gefahren werden.
Dadurch kann sich im unteren Bereich des Segels mehr Profil bilden.
Merksatz
Viel Wind → Unterliek eher straffer
Wenig Wind → Unterliek eher loser
2. Der Baumniederholer
Der Baumniederholer verbindet den Baum mit einem tiefer gelegenen Punkt am Mast beziehungsweise Boot.
Seine Aufgabe besteht darin, das Ansteigen des Baums zu begrenzen.
Das wird besonders wichtig, wenn die Grossschot auf einem Halbwind- oder Raumwindkurs gefiert wird.
Auf einem Am-Wind-Kurs hält die Grossschot den Baum nicht nur seitlich, sondern übt auch eine nach unten gerichtete Kraft aus.
Wird die Grossschot auf einem raumen Kurs geöffnet, nimmt diese Wirkung ab.
Hier übernimmt der Baumniederholer einen wichtigen Teil der Kontrolle.
Er ermöglicht es, das Achterliek des Grosssegels auch bei gefierter Grossschot zu kontrollieren.
Ohne ausreichende Kontrolle könnte der Baum steigen und sich die Form des Grosssegels verändern.
3. Der Holepunkt des Vorsegels
Auch das Vorsegel lässt sich trimmen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei der Holepunkt der Vorsegelschot.
Je nachdem, wo sich dieser befindet, verteilt sich die Zugkraft der Schot unterschiedlich auf Unterliek und Achterliek des Vorsegels.
Holepunkt in neutraler Position
In einer neutralen Position verteilt sich der Zug der Schot ungefähr gleichmässig auf Unter- und Achterliek.
Das ist ein guter Ausgangspunkt für den weiteren Trimm.
Holepunkt weiter vorne
Wird der Holepunkt nach vorne verschoben, nimmt der Zug auf das Achterliek zu.
Damit verändert sich insbesondere der obere Bereich des Vorsegels.
Holepunkt weiter achtern
Wird der Holepunkt nach hinten verschoben, nimmt der Zug auf das Unterliek zu.
Auch dadurch verändert sich die Form des Segels.
Wichtig ist deshalb weniger, eine bestimmte Position auswendig zu lernen, sondern zu verstehen:
Mit dem Holepunkt bestimmst du, wie sich die Zugkraft der Schot zwischen Unterliek und Achterliek verteilt.
4. Gewichtstrimm
Nicht nur die Segel lassen sich trimmen.
Auch die Position der Crew beeinflusst das Verhalten des Bootes.
Das bezeichnet man als Gewichtstrimm.
Wenn sich Personen an Bord bewegen, verändert sich die Lage des Bootes im Wasser. Besonders seitlich verlagertes Gewicht erzeugt dabei einen Hebel.
Damit kann die Crew auf die Krängung des Bootes reagieren.
Der Gewichtstrimm ist sowohl bei leichtem als auch bei stärkerem Wind relevant.
Entscheidend ist, die Gewichtsverteilung nicht unabhängig vom Segeltrimm zu betrachten.
Segel und Crew arbeiten zusammen.
5. Was bedeutet Luvgierigkeit?
Ein weiterer wichtiger Begriff beim Trimmen ist die Luvgierigkeit.
Luvgierigkeit bedeutet, dass ein Segelboot die Tendenz besitzt, von selbst in Richtung Wind anzuluven.
Du bemerkst dies beispielsweise daran, dass du am Ruder ständig gegensteuern musst, damit das Boot seinen Kurs hält.
Eine gewisse Luvgierigkeit kann auftreten. Wird der notwendige Ruderdruck jedoch sehr gross, lohnt sich ein Blick auf den gesamten Trimm des Bootes.
Denn die Balance wird unter anderem beeinflusst durch:
- Segelstellung,
- Krängung,
- Gewichtsverteilung der Crew,
- Windstärke.
Statt einfach dauerhaft stärker am Ruder zu korrigieren, sollte deshalb geprüft werden, ob das Boot besser ausbalanciert werden kann.
Segeltrimm bei Böen
Eine Böe erhöht innerhalb kurzer Zeit den Winddruck auf die Segel.
Das Boot kann dadurch stärker krängen und der Ruderdruck kann zunehmen.
In dieser Situation geht es darum, den zusätzlichen Druck kontrolliert und kurzfristig abzubauen.
Je nach Situation können dazu beispielsweise Grossschot oder Traveller gefiert werden.
Dabei muss nicht immer nur eine einzelne Massnahme eingesetzt werden. Verschiedene Trimm-Massnahmen können miteinander kombiniert werden.
Wichtig ist, dass das Boot kontrollierbar bleibt und nach der Böe wieder auf den normalen Trimm zurückgeführt wird.
Mehr Krängung bedeutet nicht automatisch mehr Geschwindigkeit
Gerade am Anfang kann ein stark krängendes Segelboot schnell wirken.
Doch viel Krängung bedeutet nicht automatisch, dass das Boot besonders effizient segelt.
Statt das Boot einfach stärker unter Druck zu setzen, lohnt sich die Frage:
Sind Segelfläche, Segeltrimm und Gewichtsverteilung noch aufeinander abgestimmt?
Ein ausgewogenes Boot lässt sich leichter steuern und reagiert kontrollierter.
Trimm funktioniert als Gesamtsystem
Die einzelnen Einstellungen sollten nicht isoliert betrachtet werden.
Veränderst du beispielsweise den Segeltrimm, kann sich auch die Krängung verändern.
Veränderst du die Gewichtsposition der Crew, kann sich wiederum der Ruderdruck verändern.
Deshalb lohnt es sich, immer nur einzelne Einstellungen bewusst zu verändern und anschliessend zu beobachten, wie das Boot reagiert.
So entwickelst du mit der Zeit ein Gefühl dafür, welche Einstellung unter welchen Bedingungen funktioniert.
Die wichtigsten Regeln im Überblick
Unterliekstrecker
- stärker durchgesetzt → unterer Segelbereich flacher
- loser → mehr Profil
Baumniederholer
- kontrolliert den Baum und das Achterliek
- besonders wichtig bei gefierter Grossschot
Vorsegel-Holepunkt
- bestimmt die Verteilung des Schotzugs
- weiter vorne → mehr Zug auf das Achterliek
- weiter achtern → mehr Zug auf das Unterliek
Gewichtstrimm
- beeinflusst Krängung und Balance des Bootes
- Crewgewicht ist ein aktives Trimminstrument
Luvgierigkeit
- das Boot möchte selbstständig in Richtung Wind drehen
- starker Ruderdruck kann ein Hinweis auf eine ungünstige Balance sein
