Ein Motorboot auf dem Zürichsee steuern, mit einem Segelboot über den Thunersee gleiten oder eine Yacht im Mittelmeer führen: Für diese Vorhaben kommen unterschiedliche Ausweise infrage. Entscheidend sind zwei Fragen: Welches Boot möchtest du fahren – und auf welchem Gewässer?
Hier erfährst du die wichtigsten Unterschiede zwischen Motorboot Kategorie A, Segelboot Kategorie D, Küstenschein und Schweizer Hochseeausweis.
Motorboot Kategorie A: für Schweizer Seen und Flüsse
Die Kategorie A ist der Schweizer Schiffsführerausweis für Motorboote. Grundsätzlich brauchst du diesen Ausweis, wenn die Motorleistung mehr als 6 kW, also ungefähr 8 PS, beträgt.
- Bootstyp: Motorboot.
- Einsatzgebiet: Schweizer Binnengewässer.
- Mindestalter: 18 Jahre.
- Prüfung: Theorieprüfung und praktische Motorbootprüfung.
In der Ausbildung lernst du, sicher an- und abzulegen, auf engem Raum zu manövrieren und die Verkehrsregeln auf dem Wasser anzuwenden.
Für einzelne Gewässer gelten andere Leistungsgrenzen. Auf dem Bodensee beginnt die Ausweispflicht bereits bei mehr als 4,4 kW. Auch auf dem Genfersee und Hochrhein bestehen Sonderregelungen.
Segelboot Kategorie D: unterwegs mit Wind und Segeln
Die Kategorie D ist der Schweizer Schiffsführerausweis für Segelboote. Grundsätzlich ist sie erforderlich, wenn die im Schiffsausweis eingetragene Segelfläche mehr als 15 m² beträgt. Auf dem Bodensee liegt die Grenze bei mehr als 12 m².
- Bootstyp: Segelboot.
- Einsatzgebiet: Schweizer Binnengewässer.
- Mindestalter: 14 Jahre.
- Prüfung: Theorieprüfung und praktische Segelprüfung.
Beim Segeln lernst du, Windrichtung und Segelstellung aufeinander abzustimmen, zu wenden und zu halsen sowie das Boot bei wechselnden Bedingungen zu führen.
Die Kategorien A und D sind eigenständige Berechtigungen. Ein Motorbootschein umfasst keine Segelberechtigung. Auch die Kategorie D ersetzt nicht automatisch die Kategorie A für Fahrten unter Motor.
Küstenschein: auf die genaue Bezeichnung achten
Schweizer Bootsschulen meinen mit dem Küstenschein häufig den deutschen Sportbootführerschein See, kurz SBF See. Der Begriff ist jedoch nicht eindeutig. Prüfe deshalb bei einem Kursangebot, welcher Ausweis tatsächlich angeboten wird.
- Bootstyp: Sportboot unter Motor, auch eine Segelyacht unter Motor.
- Einsatzgebiet: Deutsche Seeschifffahrtsstrassen; die Anerkennung in anderen Ländern muss geprüft werden.
- Prüfung: Theorie mit Navigation und praktische Prüfung unter Motor.
- Segelausbildung: Eine Segelprüfung gehört beim SBF See nicht dazu.
Du lernst unter anderem, mit einer Seekarte zu arbeiten, Kurse zu bestimmen und die Verkehrsregeln auf dem Meer anzuwenden.
Die häufig genannten drei Seemeilen beschreiben den üblichen Bereich der deutschen Seeschifffahrtsstrassen. Sie sind keine weltweit geltende Fahrgrenze.
Nicht verwechseln: Der deutsche Sportküstenschifferschein (SKS) ist eine weiterführende Qualifikation für Yachten in Küstengewässern bis zwölf Seemeilen von der Festlandküste. Er ist für Motor oder Motor und Segel erhältlich und setzt unter anderem den SBF See sowie 300 nachgewiesene Seemeilen voraus.
Hochseeschein: die Schweizer Ausbildung für Yachten auf See
Der umgangssprachliche Hochseeschein heisst offiziell Schweizer Hochseeausweis. Er ist für Fahrten in Küstengewässern und auf offener See vorgesehen und zeitlich sowie geografisch unbeschränkt gültig.
Es gibt zwei Kategorien:
- Segelschiffe mit oder ohne Maschinenantrieb.
- Motorschiffe.
Für die Ausstellung brauchst du eine bestandene Hochseetheorieprüfung, einen kantonalen Schiffsführerausweis der entsprechenden Kategorie, einen Nothilfeausweis, die erforderlichen Eignungsnachweise und dokumentierte Ausbildung auf See.
Für die Erstausstellung musst du folgende Erfahrung nachweisen:
- Segelschiffe: mindestens 1’000 Seemeilen und 18 Tage auf See, davon mindestens 700 Seemeilen nach bestandener Theorieprüfung.
- Motorschiffe: mindestens 500 Seemeilen und zehn Tage auf See, davon mindestens 400 Seemeilen nach bestandener Theorieprüfung.
Du sammelst also praktische Erfahrung auf Törns und weist die vorgeschriebenen Fähigkeiten nach. Eine bestandene Theorieprüfung allein reicht für den Hochseeausweis nicht aus.
Welcher Bootsschein passt zu deinem Ziel?
- Du möchtest ein Motorboot auf Schweizer Seen fahren: Die Kategorie A ist der passende Einstieg.
- Du möchtest auf Schweizer Seen segeln: Die Kategorie D ist die passende Ausbildung.
- Du möchtest ein Motorboot im Küstenbereich führen: Prüfe, ob der SBF See im gewünschten Land für dein Boot anerkannt wird.
- Du möchtest eine Segel- oder Motoryacht auf dem Meer führen: Der Schweizer Hochseeausweis bietet eine Ausbildung mit Theorie und dokumentierter Erfahrung auf See.
Vor einer Bootsmiete im Ausland solltest du immer klären, welchen Ausweis das Reiseland anerkennt und welche Nachweise der Vermieter verlangt. Entscheidend sind das konkrete Boot, seine Flagge und das geplante Fahrtgebiet.
