Der Genfersee ist mit rund 12 aktiven Bootsschulen zwischen Genf und Nyon der grösste See der Schweiz — und der einzige, der sich einen See mit Frankreich teilt, von Genf bis zum Bouveret am östlichen Ende.
Schulen wie Geneva Sailing School, Lavaux Voile in Lutry oder die Société nautique de Nyon bieten Kurse für Kategorie A (Motorboot) und Kategorie D (Segelboot) an, viele davon mehrsprachig (Französisch/Englisch/Deutsch) wegen der internationalen Genfer Kundschaft.
Weil der Genfersee ein Grenzgewässer ist, gelten hier eigene Regeln statt der üblichen Schweizer Binnenschifffahrtsverordnung (siehe Abschnitt Regeln weiter unten) — beim Schulenvergleich lohnt sich ein Blick darauf, ob eine Schule gezielt auf diese Léman-spezifischen Vorschriften vorbereitet.
Die meisten Standorte liegen zwischen Genf und Nyon im sogenannten Petit Lac (kleines Becken), einige wenige wie Lavaux Voile weiter östlich Richtung Lausanne — wer am oberen Seeende (Haut-Lac, Richtung Montreux/Bouveret) unterrichtet werden will, hat eine kleinere Auswahl.
Der Genfersee hat einen Ruf, der ihn von den meisten anderen Schweizer Seen unterscheidet: Er fällt fast überall extrem steil ab, geschützte, flache Ankerbuchten mit vernünftigem Ankergrund sind deutlich seltener als etwa am Zürichsee. Eine der wenigen verlässlichen Stellen liegt zwischen der kleinen Île de la Harpe und der Anlegestelle von Rolle am Schweizer Ufer — bei auflandiger Bise, dem Hauptwind des Sees, gilt dieser Abschnitt unter erfahrenen Seglerinnen und Seglern als einer der zuverlässigsten Ankerplätze überhaupt.
Wer stattdessen anlegen statt ankern will: Die Klosterinsel-artige Stimmung sucht man hier vergeblich, dafür lohnt ein Abstecher ins mittelalterliche Hafenstädtchen Yvoire auf der französischen Seite — zu Fuss zwischen Gassen und Steinhäusern, mit dem Boot über die Grenze, ohne dass es sich wie eine Grenze anfühlt.
Der Bol d'Or du Léman ist die grösste Regatta der Welt auf einem geschlossenen Gewässer: 123 Kilometer von Genf nach Le Bouveret und zurück via Port-Noir, organisiert von der Société Nautique de Genève, mit regelmässig über 500 Booten und rund 3500 Crewmitgliedern an Deck. 2026 findet die Regatta vom 5. bis 7. Juni statt — wer selbst mit dem Boot auf dem See ist, bekommt den Start mit Hunderten Segelbooten auf einmal aus nächster Nähe mit, statt ihn nur vom überfüllten Genfer Quai aus zu sehen.
An diesem Wochenende ist entsprechend mit deutlich mehr Verkehr und engeren Platzverhältnissen in den Genfer Häfen zu rechnen, besonders rund um Start und Zielbereich.
Kaum ein Schweizer See hat so viele unterschiedliche, alle einzeln benannte Winde wie der Genfersee — er wird deshalb manchmal auch "See der tausend Winde" genannt. Die Bise (Nordost) ist der charakteristischste und kommt kanalisiert zwischen Jura und Alpen hindurch, mit Stärken zwischen 3 und 9 Beaufort. Ihr Gegenstück ist der Vent (auch Sudois genannt), ein Südwestwind.
Dazu kommen zwei weitere, launischere Winde: der Joran, ein kalter, schwer vorhersehbarer Nordwestwind, der vom Jura herunterfällt und besonders auf dem Genfersee kräftig auffrischen kann, sowie die Vaudaire, ein föhnartiger Südwind, der vor allem im oberen Seebecken (Haut-Lac) Richtung Montreux auftritt. Insgesamt gilt der See eher als Leicht- bis Mittelwindrevier — mit den genannten Ausnahmen, bei denen es unvermittelt ungemütlich werden kann.
Mit 14 Häfen, die eine eigene Tankstelle führen, ist der Genfersee eines der besser ausgestatteten Reviere der Schweiz. Für Ein- und Auswassern ohne eigenen Platz sind vor allem Nyon und Morges relevant.
Der Genfersee wird nicht durch die allgemeine Schweizer Binnenschifffahrtsverordnung geregelt, sondern durch eine eigene bilaterale Vereinbarung zwischen der Schweiz und Frankreich, konkretisiert im Règlement de la navigation sur le Léman (RNL) — seit 1. Juni 2019 in Kraft, abgelöst wurde damit eine Übereinkunft von 1902. Eine Besonderheit: Sowohl der Schweizer Bootsausweis als auch der französische "permis bateau" (Côtier oder Eaux Intérieures) gelten auf dem ganzen See, unabhängig vom Ufer, an dem man losfährt. Für die Motorleistung gilt auf dem Genfersee eine eigene Schwelle von 10 PS (statt 6 kW/8 PS wie sonst in der Schweiz) — ein eigentliches "Genfersee-Patent" wie das Bodenseeschifferpatent gibt es aber nicht, es bleibt bei der gegenseitigen Anerkennung der nationalen Ausweise.
Weil der See fast überall extrem tief und steil abfällt, ist freies Ankern auf weiten Strecken praktisch nicht möglich — das ist keine Vorschrift, sondern Geografie, aber ein Punkt, auf den sich alle vier Anrainerkantone sowie die französischen Behörden gemeinsam einstellen mussten, als sie das Règlement 2019 überarbeiteten. Entsprechend konzentriert sich der Bootsverkehr stärker auf die Häfen als an anderen Schweizer Seen.