Bootsrevier Luganersee

Bootsrevier Luganersee

Der Luganersee ist mit zwei aktiven Bootsschulen ein kleines, aber reizvolles Revier im Tessin — ein schmaler, von steilen Bergen gesäumter See, der sich teils bis nach Italien erstreckt.

Im Gegensatz zu den grossen Deutschschweizer Seen gibt es am Luganersee nur eine Handvoll Anbieter: Die Scuola Nautica Mike in Lugano und die Scuola Nautica Com.te Volpi in Figino bieten Kurse für Kategorie A (Motorboot) und Kategorie D (Segelboot) nach dem gewöhnlichen Schweizer Bootsausweis an.

Der See selbst ist fjordartig schmal und mit bis zu 288 Metern der tiefste See der Südschweiz — die steilen, bewaldeten Hänge von Monte Brè, San Salvatore und Monte Generoso rücken an vielen Stellen nah ans Wasser heran, was die Fahrpraxis anders macht als auf einem offenen Flachland-See.

Typische Ausgangspunkte für Fahrstunden sind Lugano selbst sowie Caslano und Figino am südwestlichen Seeteil, unweit der Grenze zu Italien.

Ankerplätze

Wer mit dem Boot von Lugano aus dem Ostufer entlang Richtung Grenze fährt, erreicht nach wenigen Kilometern Gandria — ein autofreies, ehemaliges Fischerdorf, das sich eng gestaffelt an die steilen Hänge des Monte Brè klammert. Der Ort ist nur zu Fuss oder eben per Boot erreichbar, die engen Gassen und bunten Häuser direkt am Wasser wirken dadurch bis heute unberührt von Durchgangsverkehr.

Wer anlegt, findet in einem der traditionellen Grotti direkt am Ufer Tessiner Spezialitäten und einen lokalen Merlot — ein naheliegender Zwischenstopp, bevor es zurück auf den See oder weiter Richtung Campione d'Italia geht, der kleinen italienischen Enklave am gegenüberliegenden Ufer.

Veranstaltungen auf dem Wasser

Am 1. August steigt über der Bucht von Lugano die "Sinfonia di luce" — ein grosses Feuerwerk zur Schweizer Bundesfeier, das jeweils um 22.30 Uhr den ganzen Golf erleuchtet. Die Società Navigazione del Lago di Lugano setzt an diesem Abend eigene Kursschiffe als schwimmende Tribüne ein, Plätze darauf sind reservierungspflichtig.

Wer stattdessen mit dem eigenen Boot auf dem See ist, sollte früh genug einen Platz ausserhalb der Sperrzonen vor der Stadt suchen — an diesem Abend ist deutlich mehr Verkehr auf dem Wasser unterwegs als sonst, inklusive der grossen Kursschiffe.

Wind & Wetter

Der Luganersee gilt unter Seglern eher als Schwachwindrevier mit zwei lokal benannten Ausnahmen: der Breva, einem beständigen thermischen Südwind, der vor allem im Sommer nachmittags auffrischt und ideal zum Segeln ist, und dem Tivano, einem Nordwind, der meist schon früh morgens einsetzt und dabei oft noch kräftiger bläst als die Breva. Zusätzlich entwickelt sich an schönen Tagen ab etwa 13 Uhr zwischen den Bergen bei Melide eine eigene Thermik aus Süden mit 3 bis maximal 4 Beaufort, die vor allem im südlichen Seeteil unterhalb des Melide-Damms gut funktioniert.

Seltener, dafür umso kräftiger, ist der Nordföhn: Er kann bis 8 Beaufort erreichen und wird besonders bei Caslano böig und unangenehm. Wer eine Fahrstunde oder Tour plant, sollte sich auf eine aktuelle Vorhersage statt allein auf diese Grundmuster verlassen.

Infrastruktur

Das Angebot an Krananlagen und Bootstankstellen ist am Luganersee deutlich kleiner als an den grossen Deutschschweizer Seen — die beiden wichtigsten Betriebe liegen in Caslano und Lugano.

Caslano — Nautica Caslano SA (Via Torrazza 12): Krananlage für Boote bis 20 Tonnen, seit über 50 Jahren Tessiner Werftbetrieb mit Winterlager, Reparatur- und Transportservice.
Lugano, Via Foce — Nautica's Officina Lugano & Stazione Servizi: Bootstankstelle direkt bei der Hafeneinfahrt an der Cassarate-Mündung.

Regeln auf dem Luganersee

Auf Schweizer Seen gelten unabhängig vom Revier einige gesamtschweizerische Grundregeln: Innerhalb der inneren Uferzone (150 m vom Ufer) ist auf höchstens 10 km/h zu drosseln, Längsfahrten mit dem Motorboot sind dort nicht erlaubt. Es gilt zudem eine klare Vortrittsordnung: Kursschiffe (grüner Ball bzw. grünes Rundumlicht) haben immer Vorrang, danach folgen Güterschiffe, Berufsfischer (gelber Ball), Segelschiffe und erst danach Motorboote sowie Wind- und Kitesurfer. Für ein Motorboot mit mehr als 6 kW (8 PS) oder ein Segelboot mit mehr als 15 m² Segelfläche ist ausserdem ein gültiger Schiffsführerausweis Pflicht, und seit April 2025 gilt eine Melde- und Reinigungspflicht beim Wechsel zwischen verschiedenen Gewässern, um die Ausbreitung invasiver Arten wie der Quaggamuschel einzudämmen.

Der Luganersee liegt nur mehrheitlich auf Schweizer Gebiet: Der Ostarm bei Porlezza sowie die italienische Enklave Campione d'Italia am gegenüberliegenden Ufer von Lugano gehören zu Italien. Seit dem Schifffahrtsabkommen zwischen der Schweiz und Italien von 1992 (in Kraft seit 1997) gilt dafür eine gemeinsame, bi-nationale Regelung. In der Praxis bedeutet das für Bootsbesitzer: Jedes Motor- oder Segelboot über 2,50 m Länge, das auf dem Luganersee eingesetzt wird, braucht ein lokales Kennzeichen des Tessiner Schifffahrtsamts — auch Boote mit ausländischem Standort oder bereits bestehendem Kennzeichen (z. B. einem internationalen Bootsschein), und gegen Gebühr. Wer mit einem auswärts immatrikulierten Boot auf den See will, klärt das am besten frühzeitig mit dem kantonalen Schifffahrtsamt ab.