Der Murtensee ist mit sechs aktiven Bootsschulen rund um Murten, Faoug und Sugiez ein kompaktes, lebendiges Revier im Drei-Seen-Land — und der einzige Schweizer See, von dem aus man mit dem eigenen Boot direkt in einen Nachbarsee weiterfahren kann.
Ausbildung findet wie überall in der Deutschschweiz für Kategorie A (Motorboot) und Kategorie D (Segelboot) statt, mit Schulen in Murten, Faoug und Sugiez — teils zweisprachig, wie die Segel- und Motorbootschule Murtensee / École bateau Lac de Morat zeigt.
Was den Murtensee besonders macht: Über den rund 8 Kilometer langen Broye-Kanal ist er direkt mit dem Neuenburgersee verbunden. Die Fahrt dauert gut eine halbe Stunde und führt unter drei Brücken hindurch sowie an ausgedehnten Schilfgürteln vorbei, die zahlreichen Vogelarten als Lebensraum dienen.
Die eigentliche Attraktion des Murtensees liegt nicht in einer einzelnen Bucht, sondern in der Fahrt selbst: Über den Broye-Kanal gelangt man mit dem eigenen Boot direkt zum Neuenburgersee — die einzige derartige Verbindung zwischen zwei grossen Westschweizer Seen. Die Route führt am Mont Vully mit seinen Rebbergen vorbei und durch ausgedehnte Schilf- und Feuchtgebiete.
Wer mit dem Segelboot unterwegs ist, muss für die drei Brücken auf der Strecke den Mast legen — Motorboote kommen ohne Umbau durch. Die ganze Fahrt dauert gut eine halbe Stunde, ruhig und ohne grossen Wellengang, ein deutlicher Kontrast zum offeneren Hauptbecken des Murtensees.
Jedes Jahr am 1. August verwandelt sich der Hafen von Murten zur Bühne für die grosse Bundesfeier: Festbetrieb direkt am Hafen ab 18.30 Uhr, um 22.15 Uhr steigt das Feuerwerk über dem See. Anders als bei manch anderem Seefest ist das ein fester, jährlich wiederkehrender Termin, kein unsicheres Comeback-Ereignis.
Wer mit dem eigenen Boot dort ist, hat gegenüber dem dicht gefüllten Ufer der mittelalterlichen Altstadt die ruhigere Aussicht — sollte an diesem Abend aber mit deutlich mehr Verkehr vor dem Hafen rechnen als sonst.
Der Murtensee gilt als windsicheres, abwechslungsreiches Segelrevier: Seine Längsachse liegt günstig zu allen drei wichtigen Windrichtungen der Region — der Bise aus Nordost, dem Südwestwind und dem Joran, einem warmen Fallwind vom Jura. Eine Wetterstation im Hafen Murten misst die Bise regelmässig mit Stärke 3 bis 7 Beaufort.
Im Vergleich zum Neuenburgersee oder Bielersee fällt der abendliche Joran auf dem Murtensee deutlich schwächer und weniger bissig aus — der Seegang bleibt moderater, man kann auch bei kräftigerem Wind noch sportlich segeln, ohne dass es ungemütlich wird.
Der Hafen Murten ist so gefragt, dass die Warteliste die Platzzahl übersteigt — über 200 Personen warten dort aktuell auf einen der 152 Plätze, nochmals 24 auf einen der 58 Plätze im Kleinhafen. Für den Einstieg ohne eigenen Liegeplatz sind die Slipanlage in Murten, die Bootshalle in Sugiez und die einzige Tankstelle am See relevant.
Auf Schweizer Seen gelten unabhängig vom Revier einige gesamtschweizerische Grundregeln: Innerhalb der inneren Uferzone (150 m vom Ufer) ist auf höchstens 10 km/h zu drosseln, Längsfahrten mit dem Motorboot sind dort nicht erlaubt. Es gilt zudem eine klare Vortrittsordnung: Kursschiffe (grüner Ball bzw. grünes Rundumlicht) haben immer Vorrang, danach folgen Güterschiffe, Berufsfischer (gelber Ball), Segelschiffe und erst danach Motorboote sowie Wind- und Kitesurfer. Für ein Motorboot mit mehr als 6 kW (8 PS) oder ein Segelboot mit mehr als 15 m² Segelfläche ist ausserdem ein gültiger Schiffsführerausweis Pflicht, und seit April 2025 gilt eine Melde- und Reinigungspflicht beim Wechsel zwischen verschiedenen Gewässern, um die Ausbreitung invasiver Arten wie der Quaggamuschel einzudämmen.
Der Broye-Kanal zum Neuenburgersee hat eine eigene Besonderheit: Segelboote müssen für die Durchfahrt unter den drei Brücken den Mast legen, und in den Schilf- und Feuchtgebieten entlang des Kanals ist auf die dort brütenden Vogelarten Rücksicht zu nehmen — langsame Fahrt und Abstand zum Schilf sind hier besonders wichtig.