Bootsrevier Thunersee

Bootsrevier Thunersee

Der Thunersee ist mit rund sieben aktiven Bootsschulen zwischen Thun und Interlaken eines der schönsten Reviere der Schweiz — die Kulisse von Eiger, Mönch und Jungfrau ist von kaum einem anderen See so nah zu sehen.

Ausbildung findet hier wie im übrigen der Deutschschweiz für Kategorie A (Motorboot) und Kategorie D (Segelboot) statt, mit Fahrstunden ab Thun, Gwatt, Hilterfingen, Interlaken und Faulensee.

Der See gilt unter Seglerinnen und Seglern als aussergewöhnlich windsicher — echte Flauten sind selten, was ihn auch für die praktische Ausbildung verlässlich macht.

Ankerplätze

Wer mit dem eigenen Boot die Beatenbucht ansteuert, liegt direkt unterhalb einer der grössten Tropfsteinhöhlen der Schweiz: Die St. Beatus-Höhlen bei Sundlauenen sind zu Fuss in wenigen Minuten erreichbar, ein rund ein Kilometer langer, gesicherter Rundweg führt an Wasserfällen und gewaltigen Hohlräumen vorbei — ein Ausflug, der sich vom Wasser aus fast noch eindrücklicher anfühlt als von der Strasse her.

Die Bucht selbst ist ruhig genug für einen längeren Stopp, und wer danach noch Lust hat, muss nur die Segel wieder setzen: Richtung Interlaken öffnet sich der Blick auf die Eiger-Mönch-Jungfrau-Kette, einer der bekanntesten Ausblicke der Schweiz überhaupt.

Veranstaltungen auf dem Wasser

Das Seenachtsfest Spiez ist mit über 45 Austragungen das grösste Sommerfest am Thunersee: ein grosses Feuerwerk um 22.30 Uhr, dazu in guten Jahren ein Überflug der Patrouille Suisse, Festbetrieb in der Spiezer Bucht und Konzerte über mehrere Tage. Am 1. August steigen zusätzlich traditionelle Feuerwerke über dem See, die BLS-Schifffahrt fährt dafür eigens eine Flottenparade mit den historischen Kursschiffen.

Wer mit dem eigenen Boot dabei ist, sollte an diesen Abenden mit deutlich mehr Verkehr rechnen als sonst — die grossen Kursschiffe haben bei der Parade ohnehin Vortritt, zusätzliche Vorsicht in der Dämmerung lohnt sich.

Wind & Wetter

Der Thunersee gilt als aussergewöhnlich windsicheres Revier — echte Flauten sind selten. An heissen Sommertagen sorgt ab Mittag zuverlässig Thermik für Wind: Beim Aufbau strömt er von Thun Richtung Interlaken, über den Tag gleichmässig und gut vorhersehbar.

Bei entsprechender Wetterlage pfeift auch hier der Föhn kräftig übers Wasser — dann zeigen sich auf dem Thuner- wie auf dem Brienzersee Schaumkronen. Der Föhn ist ein warmer, böiger Fallwind im Lee der Alpen und lässt sich mit aktueller Vorhersage recht zuverlässig ankündigen, sollte aber nicht unterschätzt werden.

Infrastruktur

Die Stadt Thun verwaltet rund 680 Bootsplätze, davon 315 im modernen Hafen Lachen — für einen festen Platz braucht es trotzdem Geduld. Praktischer für den Einstieg sind Kran/Slipanlage in Gwatt und die einzige öffentliche Bootstankstelle des ganzen Sees in Merligen.

Gwatt (TCS Camping Thunersee) — Bietet sowohl Einwassern mit Bootskran als auch über eine Slipanlage an — der zentrale Startpunkt zum Ein- und Auswassern am See.
Merligen — Die einzige öffentliche Bootstankstelle am gesamten Thunersee — im Hafen Lachen in Thun selbst gibt es bewusst keine, eine Erweiterung wird politisch diskutiert, ist aber nicht beschlossen.

Regeln auf dem Thunersee

Auf Schweizer Seen gelten unabhängig vom Revier einige gesamtschweizerische Grundregeln: Innerhalb der inneren Uferzone (150 m vom Ufer) ist auf höchstens 10 km/h zu drosseln, Längsfahrten mit dem Motorboot sind dort nicht erlaubt. Es gilt zudem eine klare Vortrittsordnung: Kursschiffe (grüner Ball bzw. grünes Rundumlicht) haben immer Vorrang, danach folgen Güterschiffe, Berufsfischer (gelber Ball), Segelschiffe und erst danach Motorboote sowie Wind- und Kitesurfer. Für ein Motorboot mit mehr als 6 kW (8 PS) oder ein Segelboot mit mehr als 15 m² Segelfläche ist ausserdem ein gültiger Schiffsführerausweis Pflicht, und seit April 2025 gilt eine Melde- und Reinigungspflicht beim Wechsel zwischen verschiedenen Gewässern, um die Ausbreitung invasiver Arten wie der Quaggamuschel einzudämmen.

Am Thunersee kommt an Feuerwerks- und Festtagen (Seenachtfest Spiez, 1. August) eine praktische Besonderheit hinzu: Die BLS-Kursschiffe fahren an diesen Abenden teils als Flottenparade mit erhöhtem Verkehr, zusätzlich zur ohnehin geltenden Vortrittsordnung für Kursschiffe ist in der Dämmerung besondere Vorsicht geboten.